Behandlung der Prämenstruellen dysphorischen Störung

PMDS Behandlung

Was hilft bei starker PMS / PMDS?

Die Informationen zur Behandlung basieren auf den Leitlinien des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, sowie medizinisch geprüften Inhalten von IAPMD.org.

Was tun bei schweren Stimmungsschwankungen vor der Periode? Bislang gibt es bei PMDS keine Standard-Behandlung, da die Ursachen komplex sind und jeder Körper anders reagiert. Manche Betroffene reagieren z.B. extrem sensibel auf Progesteron, während andere stärker von Östrogenschwankungen betroffen sind.
Die richtige Behandlung zu finden, ist ein deswegen ein Prozess. Das Ziel ist dabei, die PMDS-Symptome so weit in den Griff zu bekommen und abzumildern, dass Betroffene gut damit leben können. Da die Sensibilität gegenüber Hormonen neurobiologisch bedingt ist, gilt PMDS bzw. PMDD als chronische Erkrankung. Oft kann eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze sinnvoll sein.

Das konsequente Tracking der Symptome hilft, die Wirksamkeit der einzelnen Therapieansätze nachzuvollziehen.

Grundsätzlich sollte man die Behandlung nicht in Eigenregie machen, sondern unbedingt versuchen, ÄrztInnen zu finden, denen man vertraut – besonders weil es notwendig sein kann, verschiedene Ansätze zu probieren*.  Eine spezialisierte PMDS-Beratung kann zusätzlich helfen, den Weg durch den Dschungel der Ärztemeinungen und Möglichkeiten zu finden.

Aktuell wird PMDD / PMDS intensiv erforscht, so dass Hoffnung besteht, in Zukunft schneller zu einer effektiven Behandlung zu finden.

*Leider ist die Aufklärung zum Thema PMDS in Deutschland noch extrem mangelhaft, weswegen es für Betroffene aktuell nicht leicht ist, die richtige Hilfe und Begleitung zu bekommen. Durch die Anerkennung der World Health Organization und die Aufnahme von PMDD als eigenständiger gynäkologischer Erkrankung im ICD-11 (in Deutschland erst seit 2022 gültig) ändert sich dies hoffentlich.

 

PMDS natürlich behandeln

Besonders milde PMS-Symptome lassen sich oft auf „natürlichem“ Weg beeinflussen, mit Verhaltensänderungen, Ernährung oder pflanzlichen Präparaten. Dazu gehören Sport, viel Schlaf, eine gesunde Ernährung mit viel komplexen Kohlehydraten und Proteinen, Psychotherapie, Entspannungsübungen, aber auch Akupunktur. 

Aber: Während einer PMDS-Phase sind Sport und die richtige Ernährung oft eine große Herausforderung – und bei einer ausgeprägten PMDS nicht ausreichend zur Behandlung.

Serotonerge Antidepressiva sind aktuell eine der effektivsten Behandlungsmöglichkeiten bei PMDS, da sie den Serotoninabfall abfangen, der durch die Hormonschwankungen auftreten kann, und weitere positive Effekte auf den Neurotransmitter-Stoffwechsel haben. 

Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel unterstützen das zentrale Nervensystem ebenfalls dabei, Hormon-Schwankungen und ihre Folgen besser auszugleichen. Eines der wichtigsten ist Vitamin B6. 
Sehr interessant ist auch der Einsatz von Antihistaminen (Antiallergika) bei PMDS, wozu allerdings noch Studien fehlen. 

In jedem Fall wird Psychotherapie als wichtige Basisbehandlung empfohlen. PMDS ist zwar keine psychische Erkrankung, sondern eine körperliche, doch die emotionalen Auswirkungen und der Umgang damit können sehr belastend sein. 

Symptome ausgleichen

Die Gründe warum Sport und Schlaf bei PMDS-Symptomen so wichtig sind, sind ellenlang. Die wichtigsten:

Sport beruhigt das Nervensystem und baut Angst und Stresshormone ab. Ausserdem hilft er bei der Ausschüttung von Wohlfühlhormonen wie Serotonin und Dopamin. Im Schlaf wird ebenfalls Serotonin produziert, Schlafmangel reizt das Nervensystem und führt dazu dass man eher zu Zucker/Koffein und anderen Energieboostern greift, die negative Effekte auf die PMDS haben können. 

In Studien wurde die Wirksamkeit von verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln bei PMDS getestet. Folgende werden als effektiv eingeschätzt:

  • Vitamin B6, bis zu 100 mg pro Tag (Achtung, zu viel Vitamin B6 kann Nervenschäden verursachen, sprich mit deiner Ärztin) > hilft, Histamin abzubauen und erhöht die Herstellung von GABA, einem körpereigenen Beruhigungsmittel.
  • Vitamin E, bis zu 600 IU pro Tag > u.a. gegen Schmerzen und entzündliche Prozesse
  • Calcium carbonate, 1,200 bis 1,600 mg pro Tag
  • Magnesium, bis zu 500 mg pro Tag > gilt als „Salz der Beruhigung“, fördert Schlaf, senkt Anspannung.
  • Tryptophan, bis zu 6 g pro Tag > Ist eine Vorstufe von Serotonin und wird auch für die Melatonin-Produktion gebraucht.
  • Omega-3 Fettsäuren > Unterstützen die Dopaminproduktion, wirken entzündungshemmend. 

Es gibt bislang noch keine repräsentativen Studien dazu, doch viele Betroffene berichten eine deutliche Verbesserung ihrer PMS/PMDS Symptome – auch der psychischen – durch die Einnahme von Antihistaminen. Histamine sind Botenstoffe, die unter anderem für die Immunreaktion zuständig sind, aber auch im zentralen Nervensystem aktiv sind. Zuviel Histamin kann deswegen neben körperlichen Reaktionen auch zu psychischen Symptomen führen. Die Konzentration von Histamin im Körper wird durch Hormone mitbeeinflusst und schwankt mit dem Zyklus. Das merken besonders Frauen mit Histaminintoleranz.
Antihistamine bzw. Histamin-Rezeptor-Blocker (HR-Blocker) sind in handelsüblichen Mitteln gegen Allergien enthalten. Bestimmte (verschreibungspflichtige) HR-Blocker wirken auch auf die Histaminrezeptoren im Zentralen Nervensystem und werden als gängige Angstlöser und Beruhigungsmittel eingesetzt. Sie sind damit auch eine gute Wahl als Bedarfsmedikation für PMDS-Krisen mit stärkeren Gefühlsausbrüchen und Kontrollverlust oder Panikattacken. 

Antidepressiva ändern nichts an den Hormonschwankungen und beseitigen auch nicht die Sensibilität gegenüber Hormonen – trotzdem gehören SSRI klinisch nachgewiesen zu den effektivsten  Behandlungsmöglichkeiten bei der Prämenstruellen Dysphorischen Störung. Dabei wirken sie bei einer PMDS meist deutlich schneller  als bei einer „normalen“ Depression. Die gestörte Reaktion auf Geschlechtshormone wirkt sich auch auf das Serotoninsystem aus und ist eine wichtige Ursache für Angstzustände und Depressionen vor der Periode. SSRI sorgen hier für Ausgleich. Sie haben aber auch zusätzliche Effekte auf die Produktion von Allopregnanolon, einem Botenstoff der ebenfalls als wichtiger Faktor bei der PMDS gilt.  
SSRI werden vom Psychiater, Neurologen oder auch Hausarzt verschrieben. Auch Gynäkologen dürfen sie theoretisch verschreiben. Sie werden täglich eingenommen, können bei PMDS unter Umständen auch nur während der lutealen Phase eingenommen werden – das sollte man aber mit einer Ärztin absprechen. 
Zu den Nebenwirkungen von SSRI zählt am häufigsten eine Absenkung der Libido – aber das ist nicht immer der Fall und kann sich nach einer Zeit auch wieder einpendeln. Da Depressionen, Wutausbrüche und suizidale Gedanken auch nicht besonders sexy sind, gilt es die eigene Lebensqualität abzuwägen.  

Akupunktur kann helfen, Spannungen abzubauen und zeigt gute Effekte bei der unterstützenden Behandlung von PMS und PMDS Symptomen. Wenn man seine PMDS-Muster kennt, kann es eine sinnvolle Strategie sein, vorab Akupunktur-Termine für PMDS-Phase einzuplanen um Symptome zu lindern.

Bei PMDS wird das Nervensystem in starke Alarmbereitschaft versetzt. Gefühle können dabei außer Kontrolle geraten, und manche Betroffene haben Panikattacken, Wutausbrüche oder starke Unruhe oder Verzweiflung. Auch wenn Meditation, Yoga und Co. helfen können: Die Ursachen sind biochemisch, und lassen sich nur begrenzt kontrollieren. 
Bei ausgeprägter PMDS ist es sinnvoll, eine Bedarfsmedikation für den Notfall zur Hand zu haben, um den Gang in die psychiatrische Notaufnahme zu vermeiden (was leider passieren kann, wenn man noch nicht die richtige Basis-Behandlung gefunden hat oder eine Behandlung nicht anschlägt). 
Das kann zum Beispiel ein angstlösendes Sedativum aus der Gruppe der HR-Blocker sein, die nicht süchtig machen.
Die unterstützende Behandlung mit Beruhigungsmitteln für Notfälle sollte sorgfältig mit einem Arzt/Ärztin abgesprochen werden. 

Hormone bei PMDS beeinflussen

PMDS Symptome sind eine starke negative Reaktion des Nervensystems auf natürliche Hormonschwankungen.

Eine Behandlungsmöglichkeit ist, den Zyklus und damit die Hormonschwankungen komplett zu unterdrücken, zum Beispiel mit der Pille. Die künstlichen Hormone in der Pille können jedoch ebenfalls  PMDS-Symptome auslösen.
Eine andere Option ist die Behandlung mit Östrogenpflastern. Sie erzeugen ein stabiles Level natürlicher Hormone – allerdings muss meist zum Schutz des Endometriums noch ein Gestagen hinzugegeben werden. Eine Frauen reagieren jedoch auch auf Hormone selbst „allergisch“, so dass auch eine Gabe von natürlichen Hormonen PMDS-Symptome auslösen kann.
Da Hormone vielfältige und individuelle Wirkungen haben und Langzeitstudien gerade für PMDS oft fehlen, muss man hier sehr vorsichtig sein. Eine gute Gynäkologin/Gynäkologe mit Hormon-Spezialisierung kann hier helfen.   

Hormonelle Behandlung

“Die Pille” – Orale Kontrazeptiva bzw. hormonelle Verhütungsmittel sind eine wichtige Behandlungsmöglichkeit bei PMDS, sofern sie vertragen werden. Sie unterdrücken den Eisprung und verringern Hormonschwankungen. Gerade bei PMDS sollte die Pille mit Vorsicht getestet werden, da sich Nebenwirkungen deutlich stärker auswirken können. Verschiedene Präparate zu probieren kann sich lohnen, denn die Wirkung ist sehr individuell und sehr wirkstoffabhängig. 

> Einnahme im Langzeitzyklus

Es wird empfohlen, die Pille bei PMDS im Langzeitzyklus zu nehmen, also ohne Pillenpause. Das hilft, die Hormonlevel möglichst stabil zu halten und PMDS-Symptome in der Pillenpause zu vermeiden. 

> Mit Vorsicht probieren! Künstliche Progestine können durch ihre Wirkung am zentralen Nervensystem PMDS-Symptome hervorrufen. PMDS-PatientInnen berichten über Depressionen, Wut, Angstzuständen und sogar Panikattacken. 

> Auf Anfangsschwierigkeiten einstellen. Besonders zu Beginn können Nebenwirkungen auftreten, weil der Körper ca. 2-3 Monate braucht, um sich an die neuen Hormonsituation zu gewöhnen, und die eigene Hormonproduktion herunterzufahren. Die Symptome sollten nach und nach besser/weniger werden, sonst ist es das falsche Präparat. 

 

Welche Pille bei PMDS?
> Einphasenpräparate sind zu bevorzugen

> Nach aktueller Studienlage sind bei psychischen PMDS-Symptomen Pillen mit anti-androgenen Wirkstoffen wie Drospirenon und Desogestrel am effektivsten und verträglichsten. Besonders gut untersucht ist die Kombi-Pille mit 3 Mikrogramm Drospirenon und 2 Mikrogramm Ethinyl Estradiol. In den USA ist diese Kombination für die Behandlung von PMDS zugelassen. Dazu gehört z.B. Yaz, Jasminelle. Die Pille Slinda enthält ausschließlich Drospirenon. Die Pille Drovelis enthält Drospirenon sowie das bioidentische Östrogen Estetrol. Bitte berate dich immer mit deiner FrauenärztIn, ob und welche Pille für dich geeignet sein könnte. 




Die Hormonproduktion abschalten

In der Menopause wird die Hormonproduktion in den Eierstöcken eingestellt. Damit verschwindet auch die PMDS.

Wenn die PMDS-Symptome nicht auf andere Weise in den Griff bekommen werden, kann mit GnRH Analoga eine chemische Menopause erzeugt werden. Diese ist wieder umkehrbar, so dass sie auch bei Kinderwunsch eine gute Option sein kann.

Die letzte Behandlungsmöglichkeit ist aktuell die chirurgische Menopause: also die Entfernung von beiden Eierstöcken und der Gebärmutter.

Da der Körper ganz ohne Hormone auch nicht gut auskommt, wird sowohl bei der chemischen als auch der chirurgischen Menopause oft mit einer HRT (Hormonersatztherapie) ein stabiles Basislevel an Hormonen wieder zugegeben.

Die Operation, die richtige HRT zu finden, etc. sind eine große Herausforderung und bedeuten auch, dass man sich mit den Nebenwirkungen auseinandersetzen muss. ABER: Viele Betroffene berichten, dass all das im Gegensatz zu ihren PMDS-Symptomen ein Spaziergang im Park ist.

Künstliche Menopause

Durch die Gabe von GnRH-Analoga, meist als Injektion, wird eine künstlich eine umkehrbare Menopause geschaffen. 

Weitere Infos folgen.

Umfassende Infos zur chirurgischen Menopause bei Prämenstruellen Störungen auf Englisch: https://iapmd.org/surgery

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